Wir und Die


"Kölner Dom wurde verdunkelt, und somit verschwanden auch die 150 „besorgten Bürger“ aus dem Rampenlicht",  Katedra w Kolonii została zaciemniona, dlatego 150 „zaniepokojonych obywateli” zniknęło z reflektorów.
"Kölner Dom wurde verdunkelt, und somit verschwanden auch die 150 „besorgten Bürger“ aus dem Rampenlicht", Katedra w Kolonii została zaciemniona, dlatego 150 „zaniepokojonych obywateli” zniknęło z reflektorów.

Immer wieder lese ich, dass die Mehrheit der Polen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen ist.

Wenn ich die Leute direkt frage warum, dann kommen meistens folgende Antworten: „wir wollen keine Terroristen im Land haben“, „die verstehen unsere Kultur nicht“, „die haben keine Achtung vor Frauen“, oder ganz platt „wir wollen die nicht haben und basta“.

Das sind so richtig sachliche Argumente und dazu von Leuten, die noch nie im Leben einen Ausländer gesehen, geschweige denn kennengelernt haben.

Ich lebe seit über dreißig Jahren in Deutschland und genauso lange habe ich tagtäglich mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen zu tun.

Mit Türken, Chinesen, Indern, Persern, Arabern und, und, und. Sie sind einfach da, ganz normale Leute mit ihren Sorgen und Freuden, mit ihren Stärken und Schwächen.

Meine Nachbarn kommen aus dem Iran. Ein älteres Ehepaar. Wenn wir uns im Treppenhaus treffen, lächeln Sie immer und grüßen freundlich.

Machen mir, obwohl ich um einiges jünger bin, die Tür auf und sie lassen mich durch, wenn sie sehen, dass ich die Hände voll mit Einkaufstüten habe.

Das ist bei vielen Leuten aus dem sog. „unseren Kulturkreis“ noch lange nicht selbstverständlich – leider.

Wenn ich nicht zu Hause bin und der Postbote ein Paket bringt, nehmen sie das Paket für mich an und wenn ich abends bei ihnen an der Tür klingele um das Paket abzuholen, laden sie mich freundlich zu einer Tasse Tee ein – und glauben sie mir, die Iraner haben sehr guten Tee und können diesen auch sehr gut zubereiten.

Irgendwann, bei einer Tasse Tee, haben sie mir erzählt warum sie ihre Heimat verlassen mussten. Es war eine tragische Geschichte, die mich lange beschäftigt hat.

Ich werde diese Geschichte hier nicht erzählen, weil es nicht für ein breiteres Publikum bestimmt ist, aber glauben sie mir, sie war erschütternd…. Ich sage nur so viel, es waren keine wirtschaftlichen Gründe oder einfach mal Fernweh – nein, es ging um das nackte Überleben.

Die Ablehnung gegenüber Ausländern, Flüchtlingen ist kein polnisches Phänomen, hier in Deutschland gibt es auch Leute die „Ausländer raus“ schreien, aber die Mehrheit ist das nicht. Die Mehrheit hat keine Probleme mit anderen Kulturen oder Religionen. Die Mehrheit betrachtet diese Menschen und ihre Kultur als Bereicherung – ich auf jeden Fall.

Es gab mal in Köln ein wunderbares Zeichen der Offenheit und ein deutliches NEIN zu Ausländerfeindlichkeit. Vor ein paar Jahren gab es in vielen Städten, vor allem im Osten Deutschlands, Demonstrationen der sog. Wutbürger. Diese Leute bewegen sich irgendwo zwischen nationalkonservativ und rechtsradikal.

Sie haben auch in Köln eine Demo angemeldet und wollten vor dem Kölner Dom mit ihren fremdenfeindlichen Parolen demonstrieren. Was haben die Kölner gemacht? Sie haben blitzschnell eine Gegendemo in der Nähe von Dom organisiert.

Eine Demo für Offenheit und Vielfalt – und es kamen Tausende. Bei den Radikalen waren es ca. 150 Teilnehmer. Es tat so gut das zu sehen. Aber das war noch nicht alles. Das Kölner Bistum hat etwas gemacht, was einmalig war – der Kölner Dom wurde verdunkelt, und somit verschwanden auch die 150 „besorgten Bürger“ aus dem Rampenlicht.

Die Kölner haben damit ein Zeichen gesetzt, ein Zeichen „dafür“.

Wir brauchen viel mehr solcher Zeichen, weil mir irgendwie vorkommt, dass die Rechtsradikalen, Rassisten, die sog. Wutbürger, immer lauter und aggressiver werden. Auf dieser und anderer Seite des Ozeans…

Ich bin auch nur ein Mensch und auch nicht frei von Vorurteilen – das gebe ich offen zu. Eines Tages stieg ich in die Bahn ein, setzte mich hin und nahm ein Buch aus der Tasche raus. In diesem Moment habe ich einen jungen Mann auf mich zukommen sehen.

Arabisches Aussehen, die Hände in den Taschen, die Hose hing irgendwo zwischen der Hüfte und den Knien, dazu eine weiße, mindestens drei Nummern zu große Sportjacke. Der junge Mann kam immer näher und ich dachte mir – na ja, wenn er mich gleich anspricht, dann kommt nur sowas wie „fahren Zug Koln Doz?“ oder ähnliches dabei heraus.

Der Bursche sprach mich wirklich an, aber wie? „Entschuldigen Sie bitte, können Sie mir sagen, ob dieser Zug in Köln-Deutz anhält?“ – freundlich, zuvorkommend und in einwandfreiem Deutsch. So kann man sich irren, wenn man den Menschen nicht offen und vorurteilsfrei begegnet. Diese Lektion habe ich gelernt.

„Die haben eine andere Kultur“ – stimmt. Ich möchte Teile ihrer Kultur aber nicht missen. Die persische oder türkische Küche ist doch fantastisch. Die gehören zu meinem Leben genauso, wie die polnische, deutsche, italienische oder andere Küche dazu.

Sorry, aber nur Piroggen und Bigos sind auf Dauer bisschen langweilig.

Die Menschen, die zu uns kommen bringen was von ihrer Kultur mit und der überwältigende Teil will uns nichts Böses. Es sind Menschen wie du und ich. „Die kennen unsere Kultur nicht“ – sagen einige.

Das stimmt, woher auch. Aber ist das schlimm? Wie wäre es denn damit: ihnen unsere Kultur zu zeigen, und sich ihre Kultur auch selbst anzuschauen – Geben und Nehmen, Nächstenliebe, Empathie, das müsste in solch einem katholischen Land wie Polen eigentlich selbstverständlich sein.

Zum Abschluss ein paar Worte zu dem Satz: „wir wollen keine Terroristen im Land haben“. Das will ich auch nicht. Mich erschreckt nur, mit welcher Selbstverständlichkeit Flüchtlinge mit Terroristen gleichgesetzt werden. Woher kommt das? Das entbehrt jeder Grundlage.

Unter den Menschen aus anderen Ländern gibt es im Schnitt nicht mehr und nicht weniger Kriminelle wie unter den Polen, Deutschen oder Menschen anderer Nationalitäten. Warum ist es so schwer das zu verstehen?

Auf dieser Welt gibt es viele verschiedene Kulturen, Religionen, Bräuche, Lebensweisen, aber eins verbindet uns: wir alle sind MENSCHEN – und das ist ein Fakt und keine Ansichtssache.

 

Marzanna Dyjak-Diederich, Kolonia

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